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Es ist vornehmste Aufgabe der Religionen, der Kunst und Wissenschaft sich dem Universum, dem Himmel und der Erde (in ihrer Einheit) erkennend hinzugeben und das Innere, das Werden, das Verändern, die Bewegung, die Wirklichkeit oder das Wirken, das Leben, die Seele und den Geist, d.h., überhaupt den Gedanken verstehend aufzufassen, und es ist Angelegenheit jeder einzelnen Disziplin in ihrer Sphäre, ihn darstellend hervorzubringen.
Auch die Malerei hat sich diesem Auftrag gewidmet. Sie hat versucht, das Innere der Dinge, ihre Bewegtheit, ihr Wesen, ihre Seele, ihre Wahrheit, den Gedanken, zu offenbaren, ihn nach außen zu kehren und im spröden Element des zweidimensionalen Raumes sichtbar zu machen. Aber erst in der Abstraktion von der Figürlichkeit, den fixen Gestalten und der eingefrorenen Farbe einerseits und der Reduktion auf abstrakteste geometrisch-optische Konfigurationen und das freie Kolorit andererseits, ist es der Malerei an sich gelungen, die Bewegung, die Innerlichkeit, als reine Beziehung der Formen und Farben aus und in sich als Wesen ihrer künstlerischen Tätigkeit zu verwirklichen und die gestaltete, gleichwohl unbewegte Fläche in Bewegung zu verwandeln.
So ist Malerei, die auf diese Weise abstrakt auftritt, Kinesis – Bewegung. Sie allein kann jetzt die Wirklichkeit als Tätigkeit darstellen und sie kann sich sogar selbst zum Gegenstand ihrer Darstellung machen, sich also einen Inhalt wie Kinesis (Bewegung) geben.
Der Allgemeine Inhalt der 12 Diptychen ist die Bewegung (Kinesis), die sich als Bewegung, als unendliche Beziehung der abstrakten Gestalten und Farben aufeinander, darstellt. Form und Inhalt sind identisch. Sie sind auch in Einheit in der (denkenden) Beziehung auf die Bilder, sofern sie hervorbringend und betrachtend auftritt. Die 12 Bilder sind dargestelltes Denken. Sie zeigen sich in ihrer Wahrheit nur dem Denken, das dieser Wahrheit folgt.
Die Bilder sind an sich selbst schwer. Für den Betrachter werden sie nur dann ein wahrer Genuss, wenn er sich nicht mit äußerlichem Gefallen zufrieden gibt, sondern sich in der Betrachtung von der Bewegung (Form und Inhalt der Gemälde) gefangen nehmen lässt und so in der Einheit von Betrachtung und Betrachtetem sein Glück findet.
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